OMAS GEGEN RECHTS BERLIN  /  Deutschland-Bündnis

Für Frauenrechte – mit dem Frauenverband Courage und DaMigra

Unsere OMAS in der Abendschau, Screenshot
OMAS bei der Kundgebung von Courage, Screenshot aus der Abendschau vom 6.3.

Es war kalt. Trotzdem trafen sich am Samstag eine ganze Reihe von Unterstützerinnen (und Unterstützern) der Kundgebung und Demonstration des Frauenverbandes Courage am Denkmal für die Trostfrau in Moabit. Und drei von uns waren auch dabei. Doris hatte das Transparent mitgebracht und damit kamen wir sogar in die Abendschau. Aber der Reihe nach. Eine Trommelgruppe des Koreanischen Frauenvereins eröffnete die Kundgebung, so dass die Stimmung trotz Kälte stieg. Viele Reden waren angesagt, und wie es halt so ist, nicht alle hielten sich an die drei Minuten, die jeder Rednerin zur Verfügung standen. Leider war die Akustik nicht sehr gut, so dass wir nicht alles verstehen konnten. Es reichte aber dafür, mitzubekommen, dass viele, viele Probleme von Frauen angesprochen wurden. Besonders an dieser Kundgebung war die starke Vertretung von Frauen aus dem asiatischen Raum. Nicht nur Koreanerinnen, die das Denkmal für die Trostfrau initiiert haben, sondern auch asiatische Vereine meldeten sich zu Wort und wiesen auf die Diskriminierung asiatischer Frauen hin. Zwei junge Mädchen wollten auf die schreckliche Situation der Tamilen hinweisen. Sie hatten es versäumt, sich vorher mit dem Courage-Verband kurz zu schließen, trotzdem fand die Moderatorin eine Möglichkeit, sie zu Wort kommen zu lassen.Und dann begann die Demonstration. Wir verließen den Standort und begaben uns zu einem anderen in der Nähe, wo erneut Reden gehalten wurden, diesmal leider noch weniger im weiteren Umkreis der Versammelten zu verstehen. Man musste ganz nah an die Rednerin rangehen – aber da war ja das Abstandsgebot, das dies verhinderte. Nur einmal bin ich nah rangegangen und bekam eine Rede für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern und die Erhöhung der Gehälter für die Care-Berufe mit.

Dann setzte sich die Gruppe – ich schätze 100 bis 150 Menschen – wieder in Bewegung und stoppte am Rathaus Tiergarten. Dort spielte erst eine Musikgruppe mit politischen Liedern, dann kamen wieder Rednerinnen. Wegen des größeren Platzes vor dem Rathaus konnten wir uns auch so verteilen, dass die Meisten zumindest vieles verstanden haben. Sehr gut gefiel mir ein Statement zur Pariser Kommune. Aber ebensogut fand ich, dass eine Frau einfach ihre Befindlichkeit als Frau schilderte.

Dann kam ich an die Reihe, und da eine fröhliche Stimmung herrschte, verhaspelte ich mich nur zweimal.  Danach sprach unter anderem noch eine Polin über die schreckliche Situation der polnischen Frauen in ihrer Heimat. Schließlich gingen wir bei den Klängen von Bella Ciao wieder zurück zum Ausgangsort. Dort verließ ich die Gruppe. Aber ich muss sagen, dass der Frauenverband Courage es geschafft hat, eine Vielzahl von für Frauenrechte Engagierten zu versammeln, die – obwohl sehr unterschiedlichen linken Richtungen zugehörig – friedlich, freundlich, liebevoll miteinander marschierten, den Rednerinnen zuhörten, nach der Musik wippten – einfach eine Superstimmung, trotz der Kälte.

Am Montag um 18 Uhr nun die Kundgebung mit Vernissage des Migrantinnenverbandes DaMigra am Rathaus Neukölln. Wir – insgesamt fünf OMAs – waren fast alle frühzeitig dort und wurden sehr herzlich von Michiyo, unserer Kontaktfrau, begrüßt. Das Motto der Veranstaltung „Macht sichtbar“ leuchtete über dem Eingang zum Rathaus, ein anderes war in einem Plakat zu sehen: „Selbstbestimmt leben“. DaMigra-Frauen verteilten kleine Flyer mit Forderungen für Frauen, die nicht überall stehen. Eine davon war: Mehrsprachige Gesundheitsangebote mit freier Ärzt*innenwahl. Mehr zur Veranstaltung findet ihr hier: https://www.damigra.de/migrantinnenmaerz-2021/.

Wir trafen und wurden begrüsst von Frauen des Courageverbandes, von der Enteignungskampagne wie auch von den Stadtteilmüttern Neukölln, befanden uns also in guter Gesellschaft. Sehr froh machten mich die vielen jungen Frauen mit Migrationshintergrund. Wenn ich es angesichts der Plakate richtig gedeutet habe, waren es vorwiegend türkische Frauen. Deren Stimmung war ausgelassen, das sprang auf uns über und war eine Hilfe gegen die Kälte. DaMigra hatte extra blaue Sterne auf den Boden gemalt, um anzuzeigen, wo wir uns hinstellen sollten, um Abstände zu wahren. Und was soll ich sagen – es war völlig umsonst. Auch wir OMAs rissen uns ständig am Riemen, um nicht zu sehr aneinander zu rücken.

Leider war die Akustik sehr schlecht. Der Bürgermeister sprach wohl einige nette Worte – wir verstanden kein Wort. Danach gab es ein paar Reden, und weil wir nichts verstanden, unterhielten wir uns – wir sahen uns endlich mal wieder analog! So waren auch wir wir bei dieser Veranstaltung – entsprechend dem übergreifenden Motto von DaMigra – sichtbar.  Und erlebten darüber hinaus eine Vielfalt von selbstbewussten Frauen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund.

OMAs gegen Rechts zum Internationalen Frauentag am 8. März 2021

Wir kämpfen für die Rechte der Frauen und prangern an, wo diese Rechte gefährdet sind oder mit Füßen getreten werden. Die OMAs gegen Rechts tun dies mit Blick auf die gefährlichen Entwicklungen des Rechtsextremismus in Deutschland, der sich in vielen Bereichen festgesetzt hat. Diese Ideologie ist davon geprägt, dass Menschen ein unterschiedlicher Wert zugesprochen wird. Aus dieser Missachtung des Gleichheitsgrundsatzes, den wir glücklicherweise in unserer Verfassung haben, resultiert Verachtung gegenüber all jenen, die nicht den Standards der Rechtsextremen entsprechen

Machen wir uns nichts vor: Rechtsextremismus gab es immer, aber nach dem Zusammenbruch des Nazi-Reichs traute man sich nicht mehr so recht, diese Auffassungen weiter öffentlich zu vertreten. Das ist heute anders. Wir hatten Pegida. Wir haben die AfD. Und wir haben eine Vielfalt von rechtsradikalen Klüngeln, die im Netz und auch sonst kooperieren und sich gegenseitig den Rücken stärken. Bis hin zum Mord in Halle, in Hanau, bis zu der Mordserie des NSU. Das sind die sichtbaren Spitzen der rechtsextremen Bewegungen. Allmählich wird bekannt, dass Rechtsextreme auch in der Bundeswehr und in den Sicherheitsapparaten Eingang gefunden haben. Dort entwickeln sie Umsturzpläne und stellen eine reale Gefahr für die Demokratie dar. Was bedeutet das für uns Frauen?

Frauen sollen, wenn es nach den Rechtsextremen geht, zurück in ihre alten Rollen schlüpfen  und sich Traditionen unterwerfen, die ihre Selbstbestimmung einschränken. Diese Einschränkung der Selbstbestimmung trifft Frauen besonders, wenn es um ihre Gebärfähigkeit geht. Die aus den USA kommende sogenannte ‚Lebensschützerbewegung‘ spricht Frauen die Entscheidung über eine Schwangerschaft ab. Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen und darüber informieren, werden diffamiert, mit Hetze verfolgt bis hin zu Morddrohungen – alles unter dem Vorwand, es gehe um das ungeborene Leben. Es geht aber primär um die Freiheit der Frauen, zu entscheiden, ob sie einem Kind das Leben schenken wollen und können.

Wir älteren Frauen haben für eine Verbesserung des § 218 gekämpft. Wir erinnern uns gut, was es bedeutete, ungewollt schwanger zu werden, einen Arzt zu finden, das Geld für einen Abbruch aufzutreiben und eventuell auch ins Ausland fahren zu müssen. Heute sind wir solidarisch mit allen jüngeren Frauen, die die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft treffen müssen. Zwar ist Abtreibung heute nach einer Konfliktberatung legal, aber der von den Abtreibungsgegner*innen „ausgekramte“  § 219a – jahrzehntelang unbeachtet – schränkt die Informationsfreiheit für Frauen ein. Dieser Paragraph verbietet Ärzt*innen, ausreichend über die einzuhaltenden Fristen und die Methoden des Schwangerschaftsabbruchs zu informieren. Die Abtreibungsgegner*innen setzen betroffene Frauen unter Druck, mehr noch: Sie bedrohen Ärzt*innen, die Abtreibungen anbieten und darüber informieren. Es sind vor allem die Frauen aus ärmeren Schichten, die unter den Informationsdefiziten leiden und ihre Entscheidung nicht frei treffen können.

Fatal ist die Situation für die polnischen Frauen. Dort sind Abtreibungen inzwischen faktisch verboten. Wohin das führt, haben wir aus der Geschichte gelernt: Frauen, die sich einen Abbruch im Ausland nicht leisten können, werden in die Illegalität getrieben, lassen medizinische Eingriffe von unqualifizierten „Helfer*innen“ durchführen oder nehmen Medikamente ohne angemessene Beratung ein.

Der Kampf gegen die §§ 218 und 219a ist nur eines der vielen Themen, für die wir am Frauentag auf die Straßen gehen. Doch gerade hier zeigt sich sehr deutlich, dass die Kräfte, die die Uhr für uns Frauen gern wieder zurückdrehen würden, die Kräfte, die die patriarchalischen Strukturen und Machtverhältnisse erhalten wollen, in Deutschland, Europa und weltweit immer stärker werden.

Wir OMAS GEGEN RECHTS verwahren uns gegen diese Entwicklung. Wir klären auf, wir sind laut. Wir fordern das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung und erklären uns solidarisch, heute ganz besonders mit den Frauen in Polen.

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