OMAS GEGEN RECHTS BERLIN

OMAS GEGEN RECHTS diskutieren Konsum

Sollen Produkte von Rechtsradikalen und Multiplikator*innen von Verschwörungsmythen aus dem Verkauf und, so Händler*innen sie nicht auslisten, sowohl boykottiert als auch zu ihrem Boykott aufgerufen werden?

Nehmen wir über unser Konsumverhalten Einfluss?

Lassen sich Produkte von der Ethik ihrer Produzent*innen trennen?

Ist das ein Thema der OMAS GEGEN RECHTS?

Falls es eines unserer Themen ist, wie setzen wir Prioritäten?

Wie viel Kraft haben wir, wofür wollen wir sie einsetzen?

Boykott – ja oder nein?

Wenn ja, boykottieren wir lediglich, gehen wir darüber hinaus mit der Information, dass OMAS GEGEN RECHTS boykottieren, an die Öffentlichkeit oder rufen wir gar zum Boykott auf?

Aktuell steht Attila Hildmann, der seine Volksverhetzung mit dem Verkauf seiner Kochbücher finanziert, im Fokus. Boykottieren oder ignorieren wir?

Doch nicht nur ihn haben wir im Visier.

Der Gründer und Chef von Rapunzel Naturkost trennt sich erst jetzt und damit sehr spät vom Marketing mit diesem Vegan-Koch.

Nestle verantwortet das Verdursten von Millionen, indem es Wasser privatisiert.

Die Spreewälder Hirsemühle ist in der Hand eines AfD-Funktionärs, der den Klimawandel leugnet.

Monsanto baut genmanipulierte Sorten in Monokultur an und düngt mit Glyphosat (Gift!).

Manch Landwirtschaftsbetrieb hält Mensch und Tier gleich unwürdig, pfercht (außer den Chefs) fast alle in Sammelunterkünfte.

Wir schaffen es nicht, uns um alles kümmern, so wichtig es auch wäre.

Goldene Lettern auf Blauem Band unterm Kuppelkreuz vom Berliner Schloss

Wir Frauen der Berliner Initiative Omas Gegen Rechts sind stets am Planen, Organisieren und Vorbereiten. Nebenbei – aber nicht weniger intensiv – diskutieren wir viel; derzeit über die Inschrift an der Kuppel des Humboldt-Forums: „Es ist kein ander Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, daß im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Inschrift am Berliner Schloss

Dennoch wurden Kuppel, Kreuz und Inschrift erst 2011 ohne öffentliche Debatte fixierter Teil der Planungen.“ (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/das-humboldt-forumist-nicht-das-schloss-li.84806)

Beteiligung am demokratischen Prozess

Das Zentrum für politische Schönheit hat auf die Proteste gegen seine Gedenksäule, insbesondere den enthaltenen Bohrkern aus Asche und Knochensplittern von Holocaustopfern, reagiert, indem es den Bohrkern zunächst verhüllt und dann ausgetauscht hat. Des ursprünglichen Kerns, der seitens überlebt habender ehemaliger KZ-Häftlinge, Angehöriger Ermordeter und Vertretern von Interessenverbänden Entsetzen wegen Störung der Totenruhe und Pietätlosigkeit ausgelöst hatte, nahm sich die orthodoxe Rabbinerkonferenz an. Die Künstler indes geben keine Ruhe. Nun ist auf der Säule ein wohl aus vorchristlicher Zeit stammender Schwur zu lesen, der unzulässig viel Interpretationsspielraum lässt: „Ich schwöre Tod durch Wort und Tat, Wahl und eigne Hand – wenn ich kann – jedem der die Demokratie zerstört“. Die Verteidigung der Demokratie wird beschworen, zugleich jedoch auch Mord?!

Aber wenigstens wird nun die ursprüngliche Intention der Künstler etwas deutlicher, nämlich der Appell an heutige demokratische Kräfte. Der Austausch mit eben diesen trug also Früchte.

Warum nicht gleich so? Warum nicht vorher bei Betroffenen und deren Verbänden nachfragen, ob und wie sich mit künstlerischen Mitteln der Opfer nationalsozialistischer Herrschaft gedenken und gleichzeitig das Bündnis damaliger konservativer Kräfte mit der NSDAP anprangern lässt?

Es ist ein Lehrstück, aus dem wir alle lernen, nicht nur das Zentrum für Politische Schönheit: Demokratie fordern kann nur, wer den Diskurs sucht, Meinungen anderer respektiert und ernst nimmt, also Demokratie selbst lebt.