OMAS GEGEN RECHTS BERLIN  /  Deutschland-Bündnis

Basisdemokratie

Das Beste an der Gruppe OMAs gegen Rechts Berlin Deutschland-Bündnis ist, dass jede OMA mit jeder anderen Kontakt aufnehmen kann. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn es gibt auch Gruppen, in denen keine allgemein zugängliche Mitgliederliste zur Verfügung steht.  Auf diese Weise kann jede OMA eine Diskussion zu einem Thema beginnen, das ihr auf der Seele liegt. Und das nicht bei facebook, in der Öffentlichkeit, sondern „entre nous“. Manchmal ist es auch so, dass keine besondere Resonanz erfolgt – nun ja, damit muss OMA leben. Aber es gibt auch Diskussionen, aus denen wir alle lernen, so zum Thema Gewalt. Oder auch etwas Praktisches, wie die Frage, wie frau Stolpersteine putzt.

Zugegeben: Selbst wenn nicht alle OMAs der Gruppe sich an den Diskussionen beteiligen, so ist es doch sehr anstrengend, mit so vielen unterschiedlichen Frauen im Gespräch zu sein. Manchmal ist es mir auch zu viel. Aber dann habe ich immer noch die Möglichkeit, mich für eine Weile zurückzuziehen.

Das Zweitbeste – weil ohne das wäre ich nie beigetreten – ist die Möglichkeit, sich entsprechend den eigenen Möglichkeiten zu engagieren. Mir fehlen oft die Kräfte, bei Aktionen mitzumachen, und ich habe noch nie ein abwertendes Wort darüber gehört. Das ist motivierend, wenn denn die Energie mal ausreicht. Wobei das im Moment sowieso alles anders ist, weil ich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nicht mit dem Fahrrad irgendwohin komme, und es auch problematisch finde, als Angehörige der Risikogruppe zu demonstrieren. Das entscheidet aber auch jede OMA allein – es gibt keine Person, kein Gremium, die etwas vorschreiben würden.

Ja, und es gibt auch Streit. Und Verletzungen. Das bleibt in einer so heterogenen Gruppe ohne autoritäre Führung nicht aus. Aber wir bemühen uns  – um die Wahrheit, und umeinander. Der Zusammenhalt wird dann stärker, auch wenn OMA immer wieder Abstriche machen muss bei der Realisierung der eigenen Vorstellungen.

So soll es sein in einer Basisdemokratie.

 

Hilde

Hilde am Kaffeetisch
Basis am Tisch

Mit OMAS GEGEN RECHTS für Rettungsinseln spenden

Wir OMAS GEGEN RECHTS Deutschland-Bündnis setzen uns für die Belange geflüchteter Menschen ein. Alle Aktionen, Briefe, Petitionen und Mahnwachen haben bisher keine Änderung für die Menschen an den europäischen Außengrenzen gebracht.

Wir suchten andere Wege. In #AxelSteiner von #MissionLifeline fanden wir einen kompetenten Berichterstatter über die unsägliche Situation der Menschen in den Lagern und die schwere Arbeit der NGOs. Schnell waren wir sicher, dass wir helfen möchten.

Aus Nazideutschland mussten einst Menschen fliehen, sie fanden Aufnahme in vielen Teilen der Welt. Deutschland hat gegenüber Geflüchteten eine besondere Verantwortung.
Wir möchten #MissionLifeline mit zwei Rettungsinseln ausstatten, wenn sie im März wieder in See stechen. Dafür spenden die OMAS GEGEN RECHTS Deutschland-Bündnis und bitten auch Euch, uns mit einer Spende zu unterstützen.

Solidarität ist unsere Stärke!

Paul-Spiegel-Preis des Zentralrats der Juden für die Initiative OMAS GEGEN RECHTS – wir freuen uns!

„Der Zentralrat der Juden in Deutschland verleiht in diesem Jahr den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage an die bundesweite Initiative „Omas gegen rechts“. Damit werden neben dem Engagement älterer Menschen für Demokratie und Menschenrechte auch der Mut der Aktivistinnen und Aktivisten gewürdigt. Wegen der Corona-Pandemie findet die Preisverleihung erst im Frühsommer 2021 statt.“ Zentralrat der Juden – Initiative „Omas gegen rechts“ erhält Paul-Spiegel-Preis 2020

Bei den regionalen Gruppen der Initiative „OMAS GEGEN RECHTS“ war die Freude groß, als sie von der Vergabe des Paul-Spiegel-Preises erfuhren. So auch bei uns Berlinerinnen. Ganz schnell verbreitete sich die Nachricht über Facebook, WhatsApp und die Mailingliste. Eine OMA schrieb:

„Glückwunsch liebe OMAs. Welch Auszeichnung, es erfüllt mich mit Stolz, ein ganz kleiner Teil dieser Geehrten zu sein! Aber eigentlich tun wir nur etwas, was ganz normal in unserer Gesellschaft sein sollte, dafür einzutreten und aktiv zu sein, für das, was wir uns auf „die Fahnen geschrieben haben“. Dass dazu heute Mut und Zivilcourage nötig ist, man vorsichtig sein muss, ist eigentlich ein Armutszeugnis der Gesellschaft, unser Eintreten sollte von der ganzen Gesellschaft getragen werden und eigentlich hatten wir auf die Frage unserer Zukunft oft den Gedanken, auf kurz oder lang nicht mehr als Organisation nötig zu sein; inzwischen sieht es danach überhaupt nicht mehr aus, wir müssen im Gegenteil immer mehr und aktiver werden.

Bis hoffentlich bald wieder in direktem persönlichen Kontakt.“ (aus der Mail von Uta)

Lest auch:  Vorbildliches Engagement (Artikel in der Jüdischen Allgemeine)

Paul Spiegel ist für uns ein großes Vorbild, gemeinsam mit Uwe-Karsten Heye und Michel Friedman den Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.“ gründete er im Jahr 2000, der sich bundesweit für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland einsetzt.

 

Flügel statt Flügel

Am Vormittag des 27. Oktober wählte die Brandenburger AfD-Landtagsfraktion einen neuen Fraktionsvorsitzenden als Nachfolger für den rechtsextremen Höcke-Freund Andreas Kalbitz.

Wenn auch der AfD-Flügel formal aufgelöst worden ist, sind die Flügel-Anhänger weiterhin aktiv. Immer wieder müssen wir ihre ungeheuerlichen Äußerungen lesen und hören, die sie in der Öffentlichkeit von sich geben. Gewählt wurde Hans Christoph Berndt, ein ausgewiesener Flügel-Anhänger, Vorsitzender eines neonazistischen „Heimatliebe“-Vereins und radikaler Corona-Verharmloser.

„Wir Brandenburger lieben den Flügel, aber nicht den AfD-Flügel, sondern den Konzertflügel!“

Deshalb organisierte das Aktionsbündnis für Toleranz und Weltoffenheit unter dem Motto „Flügel statt Flügel“ zeitgleich eine Veranstaltung auf dem Alten Markt direkt vor dem Landtag.

Zusammen mit den Potsdamer OMAS und ein paar hundert weiteren Teilnehmer*innen lauschten wir Berliner OMAS dem virtuosen Spiel mehrerer Künstler von Igor Levit bis Sebastian Krumbiegel.

Auch heute einte uns alle der Gedanke: „Wir sind mehr!“ oder wie eine Pianistin sagte: „Der Herbst ist nicht braun, der Herbst ist bunt!“

Ich wünsche uns viele solche motivierenden Gelegenheiten, unsere Haltung gemeinsam sichtbar zu machen.

Frieda

OMAS GEGEN RECHTS aus Berlin und Potsdam – Veranstaltung gegen die AFD in Potsdam

Lesung mit Horst Selbiger in der Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Am Dienstagabend habe ich  eine wunderbare, berührende Veranstaltung in der Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche erlebt. Horst Selbiger las aus seinem Buch „Verfemt, Verfolgt, Verraten“ und erzählte aus seinem Leben. Ich möchte den OMAS GEGEN RECHTS von Herzen für die Begegnung mit Horst Selbiger danken. 

Ein Gedanke beschäftigt mich seitdem. Menschen wie Horst Selbiger, verfemt, verfolgt, verraten, hatten die Größe und den Mut nach dem Ende des Krieges und der Diktatur nicht dem Lande den Rücken zu kehren,  sondern hier in Deutschland zu bleiben und  an dessen Gestaltung mitzuwirken. Ihnen verdanken wir es, dass wir in einer funktionierenden Demokratie leben. Seine Persönlichkeit hat mir Mut gemacht.

Hanna

Hier der Link zu seinem Buch:  https://www.horstselbiger.de/buch

 

Und das hat niemand gesehen?

Seit dem 18. Oktober 1941 bis fast zum Kriegsende wurden immer wieder jüdische Erwachsene und
Kinder vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald aus in die Ghettos nach Lodz und Riga und in die
Vernichtungslager Auschwitz und Theresienstadt transportiert. Allein in den letzten Oktobertagen
1941 gingen vier Züge mit über 4000 Menschen ab! Zum Bahnhof wurden sie von den Sammelstellen
in der Levetzowstraße und vom jüdischen Altersheim in Mitte durch die Straßen Berlins getrieben.
Und das hat niemand gesehen?
Wir OMAS GEGEN RECHTS BERLIN sind die Kinder und Enkelinnen der Generation, die damals in
weiten Teilen weggeschaut und nichts gesagt hat. Aufgewachsen mit dem Schweigen der Eltern-
Generation empfinden wir die Verpflichtung an die Gräueltaten der Nazi-Zeit zu erinnern und uns heute
entschieden gegen jede Form des Antisemitismus einzusetzen.
An der diesjährigen Gedenkveranstaltung am Gleis 17 können coronabedingt nur wenige geladene
Gäste teilnehmen. Es gibt jedoch einen livestream am 18.10.2020 ab 12.00 Uhr unter

https:// www.orte-dererinnerung.de/veranstaltung/gedenken-gleis-17-2020/ oder

https://www.stiftung-denkmal.de/aktuelles/abgeholt-gedenken-an-den-beginn-der-
nationalsoziualistischen-deportationen-von-juden -aus-berlin-vor-79-jahren/

Frida

Glückwunsch

Glückwunsch an OMA Sieglinde zum 90. Geburtstag

Wir sind OMAS, nicht alle biologisch – aber alle in der Haltung: OMAS GEGEN RECHTS.

Nicht jede von uns kann bei allen unseren Treffen dabei sein. Wir sind – und auch das eint uns – alle schon „ein wenig älter“, das hat Folgen.

Wir sind alt, aber nicht stumm – schrieb Monika Salzer in ihrem Buch.

Gestern ist die älteste OMA unserer Gruppe 90 Jahre alt geworden.

Wir gratulieren hier öffentlich und wünschen Kraft und Gesundheit!

Danke, dass Du bei uns bist!

Protest gegen rechtsoffene Demo

Ich nehme gedanklich die Position einer außenstehenden Beobachterin der heutigen Demonstration von Corona-Leugner*innen und der Gegenkundgebung dazu ein, also einen Perspektivwechsel vor: Was soll ich davon halten? Es ziehen etliche Tausend aus der gesamten Bundesrepublik zusammengetrommelte Gegner*innen der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus durch die Berliner Innenstadt und viele von ihnen rufen genau dasselbe wie die wenigen Hundert Gegendemonstrant*innen, nämlich „Nazis raus!“ und schwenken bunte Fahnen mit Friedenssymbolen. Ich denke also, hey Leute, wunderbar! Wenn ihr alle gegen Nazis seid, tut euch doch einfach zusammen! Das jedoch tun sie nicht und es ergäbe auch keinen Sinn, dass Gleichgesinnte sich zunächst in Demo und Gegendemo aufteilen. Ich muss also genauer beobachten und siehe da, in dem Tausender-Zug gibt es nicht nur jene, die Friedenstauben und Gandhi-Plakate hochhalten, die Organisator*innen der Großdemo fühlen sich von der Maskenpflicht gegängelt, lehnen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus grundsätzlich ab, weil sie dadurch ihre Freiheit bedroht sehen, unterstellen der Bundesregierung, sie wolle mit der Einführung der Impfpflicht die Demokratie aufweichen, und der Presse, sie sei der Handlanger der Regierung. „Your facts don’t matter“ steht auf einem Transparent. Verschwörungsmythen statt Fakten. Spätestens der antisemitische Satz „Lies die Protokolle“ – gesehen auf einem T-Shirt – sollte jedoch aufhorchen und die Polizei eingreifen lassen. Als die gedanklich außenstehende Beobachterin beginne ich also zu begreifen, in diesem Tausender-Zug sind mitnichten alle rechts oder rechtsextrem, aber die Demo ist rechtsoffen. Jene, denen wirklich nur einige der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ein Dorn im Auge sind, grenzen sich gegen rechts nicht ab und Rechtsextreme nehmen das Steuer in die Hand. Klar, dass die OMAS GEGEN RECHTS zur Gegenkundgebung auf- und dann wütend rufen: „Ihr marschiert mit Nazis und Faschisten!“, wenn ihnen die vermeintlichen Friedensheld*innen zuwinken.

#b0108

Wir stehen mit Abstand, aber zusammen – gegen rechtsoffenen Aufmarsch

Wir haben verhindert, dass die rechtsoffenen Aufmärsche am Mahnmal der ermordeten Juden Europas vorbeilaufen. Sie werden auch nicht an der Synagoge in der Oranienburger Straße vorbeiziehen.

Unsere machtvollen Proteste haben die Routenänderung erzwungen.

Wir müssen trotzdem auf die Straße!

Wir treffen uns und Euch am 1.8.2020 – 13:00 Uhr – an der Leipziger Straße 114 – zu einem kraftvollen Bekenntnis!

Für Erinnerungskultur zu stehen, das bedeutet: Abstand halten gegen Rechts!

Lasst uns laut protestieren!