OMAS GEGEN RECHTS BERLIN  /  Deutschland-Bündnis

FLÜCHTENDE SOFORT AUFNEHMEN Mahnwache am 5. Februar

Die Weltzeituhr am Alex war gut besucht, als wir kurz vor 15 Uhr dort ankamen, um unsere Mahnwache zu beginnen. Eine Gruppe junger Leute hatte sich zu einer Kundgebung versammelt. Mit Spruchbändern, Plakaten und Reden forderten sie Verbesserungen des gegenwärtigen Bildungssystems. Gegen drei machten sie uns Platz an der Uhr, und kurz darauf starteten sie ihren Demonstrationszug.

Mit einigen von ihnen kamen wir ins Gespräch. Sie waren interessiert an unserer Arbeit und fanden uns richtig gut. Einer der  jungen Männer, ein Punk mit steilem Haarkamm, eilte schnell zu Hilfe, als es wegen der heftigen Windstöße Probleme beim Befestigen unserer Wandzeitung gab. Ja, es war wieder eine schöne Erfahrung zu sehen, dass sich die Jungen über die politisch aktiven OMAS GEGEN RECHTS freuten.

Dann wurde es recht still am Alexanderplatz. Zu fünft standen wir dort. Aber wir waren nicht übersehbar. Unsere Schilder und das von OMA D. gestaltete Transparent zogen trotz des ungemütlichen Wetters immer wieder ein paar Leute an. Sie hatten Fragen zu unserem Thema, zu unserer OMAS-GEGEN-RECHTS-Gruppe, und natürlich wurde auch über Corona gesprochen.

Es ist gut, dass wir trotz Corona immer am ersten Freitag jeden Monats dort anzutreffen sind.

 

Warum bin ich bei den Omas gegen Rechts?

Wie alle Kinder der 50ziger war die Befreiung von Auschwitz und der Holocaust ein Thema in der Schule. Die Sprachlosigkeit der Erwachsenen damals hat mich erschüttert. Keiner wusste etwas!

Ein Schlüssselerlebnis waren für mich die Ausschreitungen gegen Flüchtlinge in Hoyerswerda. Mein Engagement während meiner Berufstätigkeit war im wesentlichen auf Demonstrationen beschränkt. Die zunehmende Fremdenfeindlichkeit, das Erstarken neuer rechter Parteien und die damit verbundene Hetze gegen Migranten, LGBT, gewollte Beschränkung von  Frauenrechten, Holocaust Verharmlosung und Tatsachenverdrehung brauchen Widerspruch. Diese Gesinnung soll nicht in die Mitte der Gesellschaft rücken. Für die Zukunft meiner Enkel und aller Menschen wünsche ich mir eine solidarische Welt ohne Diskriminierung, Unterdrückung, ein gleichberechtigetes Leben und für alle das Recht auf ein friedliches Leben ohne Anfeindungen und Kriege.
Die phantasievollen Aktionen und Unermüdlichkeit der Omas gegen Rechts sind überzeugend, deshalb bin ich seit Oktober 2020 dabei.

AG Rassismus

Die Rassismus-AG der OMAS GEGEN RECHTS  gibt es seit Anfang 2020.

Unserer AG ist es wichtig, sich mit dem Rassismus in uns selbst zu beschäftigen. Die Notwendigkeit einer Beschäftigung damit ist vielen von uns erst durch die zunehmenden rassistischen Übergriffe und die Gegenwehr der von Rassismus Betroffenen erschreckend deutlich geworden.

Dazu haben wir u.a. das Buch von Tupoka Ogette: „exit RACISM“ und das Buch von  Charlotte Wiedemann: „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“ gelesen und besprochen.

Der dazu von uns organisierte Workshop konnte bisher wegen Corona noch nicht stattfinden. 

Wir arbeiten daran, Argumentationen und Vorgehensweisen gegen rassistische Äußerungen und Verhaltensweisen zu entwickeln. 

Geplant ist eine Meinungsbildung zu dem bestimmt schwierigen, aber wichtigen Thema Antisemitismus – Israelkritk.

Aktuell bereiten wir die Teilnahme am Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März vor.

Ine, für die AG

Basisdemokratie

Das Beste an der Gruppe OMAs gegen Rechts Berlin Deutschland-Bündnis ist, dass jede OMA mit jeder anderen Kontakt aufnehmen kann. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn es gibt auch Gruppen, in denen keine allgemein zugängliche Mitgliederliste zur Verfügung steht.  Auf diese Weise kann jede OMA eine Diskussion zu einem Thema beginnen, das ihr auf der Seele liegt. Und das nicht bei facebook, in der Öffentlichkeit, sondern „entre nous“. Manchmal ist es auch so, dass keine besondere Resonanz erfolgt – nun ja, damit muss OMA leben. Aber es gibt auch Diskussionen, aus denen wir alle lernen, so zum Thema Gewalt. Oder auch etwas Praktisches, wie die Frage, wie frau Stolpersteine putzt.

Zugegeben: Selbst wenn nicht alle OMAs der Gruppe sich an den Diskussionen beteiligen, so ist es doch sehr anstrengend, mit so vielen unterschiedlichen Frauen im Gespräch zu sein. Manchmal ist es mir auch zu viel. Aber dann habe ich immer noch die Möglichkeit, mich für eine Weile zurückzuziehen.

Das Zweitbeste – weil ohne das wäre ich nie beigetreten – ist die Möglichkeit, sich entsprechend den eigenen Möglichkeiten zu engagieren. Mir fehlen oft die Kräfte, bei Aktionen mitzumachen, und ich habe noch nie ein abwertendes Wort darüber gehört. Das ist motivierend, wenn denn die Energie mal ausreicht. Wobei das im Moment sowieso alles anders ist, weil ich nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nicht mit dem Fahrrad irgendwohin komme, und es auch problematisch finde, als Angehörige der Risikogruppe zu demonstrieren. Das entscheidet aber auch jede OMA allein – es gibt keine Person, kein Gremium, die etwas vorschreiben würden.

Ja, und es gibt auch Streit. Und Verletzungen. Das bleibt in einer so heterogenen Gruppe ohne autoritäre Führung nicht aus. Aber wir bemühen uns  – um die Wahrheit, und umeinander. Der Zusammenhalt wird dann stärker, auch wenn OMA immer wieder Abstriche machen muss bei der Realisierung der eigenen Vorstellungen.

So soll es sein in einer Basisdemokratie.

 

Hilde

Hilde am Kaffeetisch
Basis am Tisch