OMAS GEGEN RECHTS BERLIN

Persönlich: Morde in Hanau

Eine Freundin schickte mir eine Nachricht: „Habe gerade an Aziz geschrieben – ob es ihm (in Hanau) gut geht…“

Ich antwortete mit: „Okay.“

Aziz ist ein gemeinsamer Freund und Kollege. Ab und zu übersetze ich mit Übersetzungs-Programmen seine Artikel in türkischen oder kurdischen Zeitungen ins Deutsche. Aziz musste die Türkei verlassen. Weltweit äußern sich der zunehmende Rassismus und wachsende Nationalisierung auch in Gewalt und Verfolgung gegenüber Journalisten. Zu denen, die das am eigenen Leibe erfahren haben, gehört auch der kurdisch-alevitische Schriftsteller und Widerstandskämpfer Aziz Tunç.

Er ist Journalist und Schriftsteller.

Azis  erlebte das Pogrom von Maraş, auch Kahramanmaraş-Massaker genannt – es ereignete sich vom 19. bis zum 26. Dezember 1978 – als Augenzeuge und er hat darüber geschrieben. In seinem Buch „Töte Du mich. Maras 1978“ hat er detailliert die Ermordung von 99 Personen nachrecherchiert.

Aziz lebt im Exil.

In Hanau.

Meine Freundin antwortete auf mein „Okay“:  „Er hat geantwortet, geht ihm gut. Er kannte jemanden von den Opfern.“

Erst in diesem Moment habe ich begriffen, dass in Hanau etwas passiert sein muss und die Nachrichten über Hanau gelesen.

In Hanau wurden 11 Menschen, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, von einem Rechtsradikalen erschossen. Mehrere weitere Menschen wurden verletzt. Ein Massaker. Angerichtet von einem Mann, der offensichtlich aus rechtsradikalen, rassistischen Motiven handelte.

Ich denke an die Familien der Opfer, ihre Freunde und an Aziz.

Die OMAS GEGEN RECHTS werden gebraucht.

Mord bleibt Mord – Gedenken an Hatun Sürücü

Vor 15 Jahren wurde Hatun Sürücü planmäßig von ihren Brüdern ermordet. Auf offener Straße gab ihr jüngster Bruder die tödlichen Schüsse auf sie ab – verabredungsgemäß der jüngste, weil ihm die geringste Strafe drohte. Hatun Sürücü musste sterben, weil sie frei und selbstbestimmt leben wollte. Sie hatte sich aus einer arrangierten Zwangsehe gelöst und stand kurz vor dem Abschluss einer Berufsausbildung, was ihr auch eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglicht hätte.

Aus Anlass ihres Todestages fand am 7. Februar 2020 am Gedenkstein in der Oberlandstraße eine Gedenkfeier statt, zu der u.a. Terre des Femmes (www.frauenrechte.de) eingeladen hatten. Neben der Bürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg und dem Bürgermeister von Neukölln nahmen zahlreiche Menschen mit und ohne Migrationshintergrund teil; als ermutigend empfand ich die Anwesenheit vieler türkischstämmiger Männer, die T-Shirts mit dem Aufdruck „Männer gegen Gewalt“ in vielen Sprachen trugen.

Noch immer müssen Frauen um ihr Leben fürchten, wenn sie sich aus den patriarchalen Strukturen ihrer Herkunftsfamilie lösen und selbst über ihr Leben bestimmen wollen. Unsere Solidarität ist nicht nur an Gedenktagen notwendig!

Frieda

Hatun Sürücü
Gedenken an Hatun Sürücü
Hatuns Sürükü - Rose
OMAS gedenken Hatun Sürükü

 

Resignation – nein danke!

Ihr kennt das: Wenn wir bei der Mahnwache, bei Demonstrationen, bei der Teilnahme an Gedenkfeiern oder beim Stolpersteinputzen positive Reaktionen erleben, ein „Toll, dass Ihr euch so engagiert!“ hören, wenn unsere Flyer und Buttons gern entgegengenommen werden – dann spüren wir nicht nur, dass wir für die richtigen Dinge eintreten, sondern wir fühlen uns ermutigt und bestärkt auf unserem Weg.

Andererseits: Müssten wir nicht viel mehr aktive OMAS sein? Wie oft erzählen wir im Kreis der Freundinnen, im Sprachkurs, beim Sport oder wo auch immer von unserem Engagement als OMAS GEGEN RECHTS – und wie selten folgt dem interessierten Zuhören der Schritt sich den OGR aktiv anzuschließen?

Die Wichtigkeit unseres Einsatzes gegen rechts steht außer Frage. Gerade hat mich die Nachricht vom Wahlergebnis in Thüringen geschockt, wo zum ersten Mal ein Ministerpräsident mit AfD-Stimmen gewählt worden ist. Es ist zum Verzweifeln! Nein, wir müssen: „Jetzt erst recht!“ sagen und zuversichtlich bleiben, dass sich unser Kampf für den Erhalt und die Verbesserung sozialer und politischer Standards lohnt, dass es für unsere Kinder und Enkel eine lebenswerte Zukunft gibt, dass der point of no return noch nicht überschritten ist!

Die evangelische Kirche hat ihre diesjährige Fastenaktion „7 Wochen ohne“ unter das Motto „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus!“ gestellt. Es ist eine Einladung diesen Gedanken in unserem Alltag wirken zu lassen. Ergänzend gibt es die Initiative Klimafasten. Resignation schwächt uns.  Als OMAS müssen wir darauf achten, alles zu vermeiden, was unsere Kräfte mindert. Wir sollten uns gegenseitig ermutigen und stärken! Lasst uns unsere Zukunftsängste überwinden, ebenso aufmerksam wie zuversichtlich vorwärts gehen!

Wir sind nicht allein und wir wollen sichtbar immer mehr werden!

Jetzt nach so vielen Jahren… (Filmempfehlung)

„Bis 1923 war das idyllische Rhina in Oberhessen ein Ort, in dem mehr als die Hälfte der Dorfbewohner jüdisch waren. Lange Zeit wurde es „Klein-Jerusalem“ genannt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde diese alte jüdische Gemeinde zugrunde gerichtet, und die meisten Juden wurden in Konzentrationslager deportiert.“

So beginnt der Artikel zum Film, der noch auf der Webseite des hr-Fernsehens verfügbar ist. Ich empfehle Euch allen diesen Film. Ein Teil meiner Familie hat von 1973-2016 in Rhina gelebt und sich für die Geschichte des Ortes interessiert. Meine Cousine war damals etwa 14 Jahre alt und kommt im Film zu Wort, als eine Gruppe Jugendlicher interviewt wurde.

Der Film erhielt den Grimme-Preis in Gold. Der Hessische Rundfunk zeigt ihn in einer restaurierten Fassung.

Jetzt nach so vielen Jahren

Vielfältiges Gedenken über den Holocaust-Gedenktag hinaus

Am 27. Januar haben wir OMAS uns in mehreren Gruppen an zahlreichen Gedenkveranstaltungen beteiligt, die aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz stattfanden, so am T4-Denkmal für die Euthanasie-Opfer, am Denkmal für die ermordeten Homosexuellen und am Denkmal für die Sinti-und-Roma-Opfer des Nationalsozialismus.

Abends trafen wir uns bei der Lichterkette vor dem ehemaligen jüdischen Waisenhaus in Pankow. Dieses Jahr war die Teilnehmerzahl so groß, dass die Polizei nicht umhin konnte auch die Fahrbahn für den Lichterzug frei zu geben und ihn nicht auf den Gehweg zu beschränken! Beendet wurde diese eindrucksvolle Veranstaltung in der alten Pfarrkirche Pankow.

Am bewegendsten für mich war die Teilnahme an der Aktion Erinnerungsort Altglienicke (www.erinnerungsort-altglienicke.de), über die ich schon informiert habe.

Am Eingang zum imposanten Ratssaal im Rathaus Köpenick bekam jede von uns einen Umschlag, der den Namen und die Lebensdaten eines der anonym bestatteten NS-Opfers enthielt, dazu einen Auszug aus der Gräberliste und Informationen zum KZ Sachsenhausen und der dortigen Gedenkstätte.

Ich las: „Jan Kęsikowski, 24.6.1907-14.6.1941“. Sofort fühlte ich mich unmittelbar bewegt und mit diesem Menschen verbunden, denn der 24.6. ist für meine Familie und mich ein besonderer, glücklicher Tag. Jan Kęsikowski jedoch hat seinen 34. Geburtstag nicht mehr erlebt, er starb zehn Tage vorher im Krankenrevier des KZ Sachsenhausen. Wie viele Geburtstage er wohl unbeschwert und hoffnungsvoll ins neue Lebensjahr blickend verbringen konnte? Kalisch heißt sein Geburtsort. Ich finde die Kleinstadt Kalisz östlich von Posen, 400 km von Berlin entfernt. Wann und auf welchem Weg ist  Jan Kęsikowski  aus Polen nach Deutschland gekommen, wann ins KZ Sachsenhausen? „Arbeiter“ steht auf der Gräberliste: Zwangsarbeiter? So viele offene Fragen sind in meinen Gedanken.

Zunächst hieß es am Montag jedoch die erhaltenen Daten nach ganz genauen Vorgaben aufzuschreiben. Das erforderte etwas Übung und Konzentration, bis wir unsere beschriebenen Blätter abgeben konnten. Dabei kamen wir auch mit der Künstlerin Katharina Gruber und dem Initiator des Projekts, Klaus Leutner, ins Gespräch. Frau Gruber berichtete uns, dass am Vormittag mehrere Schulklassen sowie Gruppen von Bundeswehrsoldaten und Polizisten am Namenschreiben teilgenommen hatten.

Im April soll es eine zweite Schreibaktion geben – dann können sich hoffentlich weitere von uns OMAS beteiligen.

Bis zur Errichtung der Glaswand mit allen Namen auf dem Friedhof Altglienicke wird wohl noch einige Zeit vergehen; ich freue mich schon heute darauf, bei dieser Gelegenheit nicht nur mit OMAS, sondern womöglich auch mit Angehörigen der endlich nicht mehr Namenlosen zusammen zu treffen.

Große Oper im intimen Rahmen!

Im dichtbesetzten Kiez Cafe‘ MadamMe bezauberte uns eine kleine Delegation der Komischen Oper mit einem Mix von ihren Nummern aus Oper, Operette, Musical plus einem Volkslied. Wir hatten die seltene Gelegenheit, brilliante Stimmen aus größter Nähe in einem Café- Raum zu erleben. Sehr vergnüglich war auch die Schauspielerei, mit einem Requisit, das aus verschieden zusammengesetzen Spanplatten bestand.

Enthusiastischer Applaus!

(Berichtet von Ingelene und Eberhard)