OMAS GEGEN RECHTS BERLIN
Strandbad Plötzensee

Plötzensee: Strandbad ohne Nazis

Von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und den selbsternannten „Volkslehrer“ Nikolai Nerling rausgeschmissen haben sie, nachdem der in der Strandbar gegen Juden und Ausländer zu pöbeln begonnen und den Holocaust geleugnet hatte.

Eine kleine Gesandtschaft der Berliner Initiative OMAS GEGEN RECHTS war heute dort, wärmte sich in wirklich netter Runde am Lagerfeuer und sicherte dem Betreiber und seinen Mitarbeiter*innen Solidarität zu.

Gedenken in Plötzensee

Die Historikerin, die einige Worte zur Einstimmung auf den Besuch der Gedenkstätte sprach, war sichtlich erfreut über unser Kommen. Zunehmend häufig, so sagte sie anschließend, kämen nämlich auch Nazis in diese und andere Gedenkstätten, die provozierten, und zwar rhetorisch geschult: Sie äußern sich verfassungsfeindlich, ohne strafrechtlich relevante Formulierungen zu verwenden.

OMAS GEGEN RECHTS und ihre Bündnispartner*innen werden gebraucht!

Wir legten zwei Blumensträuße nieder.

Auch eine OMA GEGEN RECHTS aus Verden bei Bremen war dabei.

     

Antifa-Fahrradkorso des VVN-BdA

Etwa 50 politisch Engagierte verschiedener Aktionsbündnisse und Vereine radelten am 13. September 2020 von der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik zum Rosa-Luxemburg-Platz. Die Stimmung war gut, nicht ausgelassen, aber optimistisch, solidarisch und kämpferisch. Mit Kindern im Fahrradanhänger bis hin zu Senior*innen bildeten wir ein breites Altersspektrum ab und nahmen nicht den kürzesten, sondern in jeder Hinsicht etwas längeren, geschichtsträchtigen Weg. Unterwegs machten wir mit kleinen Kundgebungen Halt an zahlreichen Orten, die zum Gedenken und Mahnen einerseits sowie zum Protestieren andererseits auffordern. Die Wirkung wurde nicht verfehlt, Anwohner*innen öffneten ihre Fenster, lauschten und winkten.

Einige Stationen:

Gleich zu Beginn gedachten wir auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik der Opfer der Euthanasie.

Wir erinnerten dann an den Untergrund-Treffpunkt der Sozialistischen Arbeiterpartei vor dem ehemaligen Wohnhaus von Walter Kluge.

Am Nachtigalplatz ging unsere Forderung nach neuen Namen für einige der Straßen im Afrikanischen Viertel über in den Protest gegen Anwohner*innen, die deren jetzige Benennung nach ehemaligen Kolonialherren beibehalten wollen.

Vor den Pharussälen in der Müllerstraße ließen wir die Musik der Swing-Jugend erklingen.

Nahe der Druckerei der Wochenzeitung der KDW – kein Kaufhaus, sondern pseudodemokratische Demokratiefeinde namens Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand – erfuhren Anwohner*innen von unserer gegnerischen Meinung.

Der Berliner VVN-BdA organisiert jedes Jahr am zweiten Sonntag im September einen antifaschistischen Fahrradkorso.

Es ist eine gute Methode, die Menschen der Stadt mit wichtigen Inhalten zu konfrontieren: Wir erreichen auch jene, die zu Demonstrationen und Kundgebungen nicht gehen. Wir kommen quasi zu ihnen nach Hause.

Im nächsten Jahr mieten sich Frauen der Berliner Initiative OMAS GEGEN RECHTS ein Gruppenfahrrad – meist Bierbike genannt, damit auch jene teilnehmen können, die nicht mehr so sportlich sind?

Protest gegen rechtsoffene Demo

Ich nehme gedanklich die Position einer außenstehenden Beobachterin der heutigen Demonstration von Corona-Leugner*innen und der Gegenkundgebung dazu ein, also einen Perspektivwechsel vor: Was soll ich davon halten? Es ziehen etliche Tausend aus der gesamten Bundesrepublik zusammengetrommelte Gegner*innen der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus durch die Berliner Innenstadt und viele von ihnen rufen genau dasselbe wie die wenigen Hundert Gegendemonstrant*innen, nämlich „Nazis raus!“ und schwenken bunte Fahnen mit Friedenssymbolen. Ich denke also, hey Leute, wunderbar! Wenn ihr alle gegen Nazis seid, tut euch doch einfach zusammen! Das jedoch tun sie nicht und es ergäbe auch keinen Sinn, dass Gleichgesinnte sich zunächst in Demo und Gegendemo aufteilen. Ich muss also genauer beobachten und siehe da, in dem Tausender-Zug gibt es nicht nur jene, die Friedenstauben und Gandhi-Plakate hochhalten, die Organisator*innen der Großdemo fühlen sich von der Maskenpflicht gegängelt, lehnen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus grundsätzlich ab, weil sie dadurch ihre Freiheit bedroht sehen, unterstellen der Bundesregierung, sie wolle mit der Einführung der Impfpflicht die Demokratie aufweichen, und der Presse, sie sei der Handlanger der Regierung. „Your facts don’t matter“ steht auf einem Transparent. Verschwörungsmythen statt Fakten. Spätestens der antisemitische Satz „Lies die Protokolle“ – gesehen auf einem T-Shirt – sollte jedoch aufhorchen und die Polizei eingreifen lassen. Als die gedanklich außenstehende Beobachterin beginne ich also zu begreifen, in diesem Tausender-Zug sind mitnichten alle rechts oder rechtsextrem, aber die Demo ist rechtsoffen. Jene, denen wirklich nur einige der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ein Dorn im Auge sind, grenzen sich gegen rechts nicht ab und Rechtsextreme nehmen das Steuer in die Hand. Klar, dass die OMAS GEGEN RECHTS zur Gegenkundgebung auf- und dann wütend rufen: „Ihr marschiert mit Nazis und Faschisten!“, wenn ihnen die vermeintlichen Friedensheld*innen zuwinken.

#b0108

OMAS GEGEN RECHTS diskutieren Konsum

Sollen Produkte von Rechtsradikalen und Multiplikator*innen von Verschwörungsmythen aus dem Verkauf und, so Händler*innen sie nicht auslisten, sowohl boykottiert als auch zu ihrem Boykott aufgerufen werden?

Nehmen wir über unser Konsumverhalten Einfluss?

Lassen sich Produkte von der Ethik ihrer Produzent*innen trennen?

Ist das ein Thema der OMAS GEGEN RECHTS?

Falls es eines unserer Themen ist, wie setzen wir Prioritäten?

Wie viel Kraft haben wir, wofür wollen wir sie einsetzen?

Boykott – ja oder nein?

Wenn ja, boykottieren wir lediglich, gehen wir darüber hinaus mit der Information, dass OMAS GEGEN RECHTS boykottieren, an die Öffentlichkeit oder rufen wir gar zum Boykott auf?

Aktuell steht Attila Hildmann, der seine Volksverhetzung mit dem Verkauf seiner Kochbücher finanziert, im Fokus. Boykottieren oder ignorieren wir?

Doch nicht nur ihn haben wir im Visier.

Der Gründer und Chef von Rapunzel Naturkost trennt sich erst jetzt und damit sehr spät vom Marketing mit diesem Vegan-Koch.

Nestle verantwortet das Verdursten von Millionen, indem es Wasser privatisiert.

Die Spreewälder Hirsemühle ist in der Hand eines AfD-Funktionärs, der den Klimawandel leugnet.

Monsanto baut genmanipulierte Sorten in Monokultur an und düngt mit Glyphosat (Gift!).

Manch Landwirtschaftsbetrieb hält Mensch und Tier gleich unwürdig, pfercht (außer den Chefs) fast alle in Sammelunterkünfte.

Wir schaffen es nicht, uns um alles kümmern, so wichtig es auch wäre.

Goldene Lettern auf Blauem Band unterm Kuppelkreuz vom Berliner Schloss

Wir Frauen der Berliner Initiative Omas Gegen Rechts sind stets am Planen, Organisieren und Vorbereiten. Nebenbei – aber nicht weniger intensiv – diskutieren wir viel; derzeit über die Inschrift an der Kuppel des Humboldt-Forums: „Es ist kein ander Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, daß im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Inschrift am Berliner Schloss

Dennoch wurden Kuppel, Kreuz und Inschrift erst 2011 ohne öffentliche Debatte fixierter Teil der Planungen.“ (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/das-humboldt-forumist-nicht-das-schloss-li.84806)

Beteiligung am demokratischen Prozess

Das Zentrum für politische Schönheit hat auf die Proteste gegen seine Gedenksäule, insbesondere den enthaltenen Bohrkern aus Asche und Knochensplittern von Holocaustopfern, reagiert, indem es den Bohrkern zunächst verhüllt und dann ausgetauscht hat. Des ursprünglichen Kerns, der seitens überlebt habender ehemaliger KZ-Häftlinge, Angehöriger Ermordeter und Vertretern von Interessenverbänden Entsetzen wegen Störung der Totenruhe und Pietätlosigkeit ausgelöst hatte, nahm sich die orthodoxe Rabbinerkonferenz an. Die Künstler indes geben keine Ruhe. Nun ist auf der Säule ein wohl aus vorchristlicher Zeit stammender Schwur zu lesen, der unzulässig viel Interpretationsspielraum lässt: „Ich schwöre Tod durch Wort und Tat, Wahl und eigne Hand – wenn ich kann – jedem der die Demokratie zerstört“. Die Verteidigung der Demokratie wird beschworen, zugleich jedoch auch Mord?!

Aber wenigstens wird nun die ursprüngliche Intention der Künstler etwas deutlicher, nämlich der Appell an heutige demokratische Kräfte. Der Austausch mit eben diesen trug also Früchte.

Warum nicht gleich so? Warum nicht vorher bei Betroffenen und deren Verbänden nachfragen, ob und wie sich mit künstlerischen Mitteln der Opfer nationalsozialistischer Herrschaft gedenken und gleichzeitig das Bündnis damaliger konservativer Kräfte mit der NSDAP anprangern lässt?

Es ist ein Lehrstück, aus dem wir alle lernen, nicht nur das Zentrum für Politische Schönheit: Demokratie fordern kann nur, wer den Diskurs sucht, Meinungen anderer respektiert und ernst nimmt, also Demokratie selbst lebt.