OMAS GEGEN RECHTS BERLIN

Vielfältiges Gedenken über den Holocaust-Gedenktag hinaus

Am 27. Januar haben wir OMAS uns in mehreren Gruppen an zahlreichen Gedenkveranstaltungen beteiligt, die aus Anlass des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz stattfanden, so am T4-Denkmal für die Euthanasie-Opfer, am Denkmal für die ermordeten Homosexuellen und am Denkmal für die Sinti-und-Roma-Opfer des Nationalsozialismus.

Abends trafen wir uns bei der Lichterkette vor dem ehemaligen jüdischen Waisenhaus in Pankow. Dieses Jahr war die Teilnehmerzahl so groß, dass die Polizei nicht umhin konnte auch die Fahrbahn für den Lichterzug frei zu geben und ihn nicht auf den Gehweg zu beschränken! Beendet wurde diese eindrucksvolle Veranstaltung in der alten Pfarrkirche Pankow.

Am bewegendsten für mich war die Teilnahme an der Aktion Erinnerungsort Altglienicke (www.erinnerungsort-altglienicke.de), über die ich schon informiert habe.

Am Eingang zum imposanten Ratssaal im Rathaus Köpenick bekam jede von uns einen Umschlag, der den Namen und die Lebensdaten eines der anonym bestatteten NS-Opfers enthielt, dazu einen Auszug aus der Gräberliste und Informationen zum KZ Sachsenhausen und der dortigen Gedenkstätte.

Ich las: „Jan Kęsikowski, 24.6.1907-14.6.1941“. Sofort fühlte ich mich unmittelbar bewegt und mit diesem Menschen verbunden, denn der 24.6. ist für meine Familie und mich ein besonderer, glücklicher Tag. Jan Kęsikowski jedoch hat seinen 34. Geburtstag nicht mehr erlebt, er starb zehn Tage vorher im Krankenrevier des KZ Sachsenhausen. Wie viele Geburtstage er wohl unbeschwert und hoffnungsvoll ins neue Lebensjahr blickend verbringen konnte? Kalisch heißt sein Geburtsort. Ich finde die Kleinstadt Kalisz östlich von Posen, 400 km von Berlin entfernt. Wann und auf welchem Weg ist  Jan Kęsikowski  aus Polen nach Deutschland gekommen, wann ins KZ Sachsenhausen? „Arbeiter“ steht auf der Gräberliste: Zwangsarbeiter? So viele offene Fragen sind in meinen Gedanken.

Zunächst hieß es am Montag jedoch die erhaltenen Daten nach ganz genauen Vorgaben aufzuschreiben. Das erforderte etwas Übung und Konzentration, bis wir unsere beschriebenen Blätter abgeben konnten. Dabei kamen wir auch mit der Künstlerin Katharina Gruber und dem Initiator des Projekts, Klaus Leutner, ins Gespräch. Frau Gruber berichtete uns, dass am Vormittag mehrere Schulklassen sowie Gruppen von Bundeswehrsoldaten und Polizisten am Namenschreiben teilgenommen hatten.

Im April soll es eine zweite Schreibaktion geben – dann können sich hoffentlich weitere von uns OMAS beteiligen.

Bis zur Errichtung der Glaswand mit allen Namen auf dem Friedhof Altglienicke wird wohl noch einige Zeit vergehen; ich freue mich schon heute darauf, bei dieser Gelegenheit nicht nur mit OMAS, sondern womöglich auch mit Angehörigen der endlich nicht mehr Namenlosen zusammen zu treffen.

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